Hallo werte Rock/Kilt Interessierte!

Da ich gebeten wurde, auch mal meine Erlebnisse im Kilt zu berichten, werde ich das gerne tun.

Mein Name ist übrigens Hans und ich lebe in Wien.

Ich sage aber schon im Vorhinein, es gibt nichts Nennenswertes zu erzählen, denn ich trage ja nur Kilts.

Als ich zum ersten Mal einen Kilt trug, war es, als hätte ich mein Leben lang nie etwas anderes getragen. Da gab es kein erhabenes Gefühl von wegen Beinfreiheit, nicht mehr beengt etc. Diese Sprüche sind für mich zum Großteil Unsinn, denn ich fühle mich auch in Hosen nicht beengt und trage diese nach wie vor. Wenn jemand derart hautenge Hosen trägt, daß er sich alles abschnürt, ist er selber schuld, ich trage bequeme Hosen.

Aber es ist natürlich ein völlig anderes Gefühl, einen Kilt zu tragen, er ist nun mal ein ungeteiltes, einröhriges Kleidungsstück.

Es gibt schon einen kleinen Unterschied, wenn ich im Normalfall den Kilt trage, dann ist das ein moderner Traditional, oder ein Casual, also Alltagskilt. Wenn ich damit irgendwo unterwegs bin, falle ich natürlich unter all den Hosenträgern auf, aber es ist trotz allem nichts Besonderes. Da mich sowieso alle als Highlander einstufen, ist für die Leute selbstverständlich, wenn ich einen Kilt trage, obwohl das ja in Schottland längst nicht mehr zur Tagesordnung gehört. Allerdings gewinnt der Kilt in seiner Heimat inzwischen wieder weitaus mehr an Ansehen und das liegt mit Sicherheit auch daran, daß die Schotten auf dem Festland so oft Kiltträger sehen. Es ist sozusagen eine Rückbesinnung auf die alte Tradition, viele Schotten sagen sich, da müssen also erst Festland Europäer unsere Nationaltracht tragen, damit wir selbst draufkommen, was wir eigentlich für ein tolles Kleidungsstück besitzen.

Nun zum Unterschied. Wenn ich Highland Games, MA Feste etc. besuche, trage ich prinzipiell den Highland Dress des 18. Jahrhunderts. Und jetzt kommt es eben, denn die wahre Kunst im Kilt trotzdem unter Tausenden Kiltträgern aufzufallen besteht eben darin, daß man nicht den üblichen modernen Kilt trägt, den trägt bei Highland Games ja sowieso jeder. Naja, bis auf ein paar Ausnahmen, denn nicht alle Besucher tragen dort Kilts, die meisten verlassen die Games aber oft im dort gekauften Kilt wieder ;o). Ich bin seit Jahren sozusagen das Model des 18. Jhdt Kiltträgers, denn keiner ist so authentisch gekleidet wie ich. Klar, daß man dann selbst unter den vielen Kiltträgern auffällt. Ich werde bei Highland Games auf Schritt und Tritt von begeisterten Fotografen und sogar Filmern verfolgt. Viele fotografieren und filmen mich heimlich, zumindest glauben sie das, weil ich keine Reaktion zeige. Das liegt aber daran, daß ich es schon gewöhnt bin. Andere bitten mich um Fotos, oder mich kurz filmen zu dürfen, so landete ich sogar im TV.

Unangenehme Erlebnisse hatte ich im Kilt in all den Jahren noch nie. Nur ein einziges Mal fragte mich eine betrunkene Blondine, ob ich nun etwas drunter trage oder nicht. Ich sagte zu ihr, das könnte ich sie aber auch fragen und das war es dann auch schon, sie ging.

Komme ich zu einem MA Fest, gehe ich dort gratis hinein, ich gelte als "gewandet", was wohl auch daran liegt, daß man es bei uns nicht so eng sieht, wenn jemand im Kilt zu einem Mittelalterfest erscheint, da es diesen ja damals noch gar nicht gab. Hauptsache es sieht altertümlich aus, schon gilt man als gewandet. Genau genommen kann auch niemand etwas dagegen sagen, denn sie müssen einen ja nicht als gewandet einlassen, wenn der Kilt nicht gilt, ich würde den Eintritt ja zahlen. Dann dürften sich alle Besucher, die im modernen Alltagsgewand kommen, dort auch nicht sehen lassen.

Das war es eigentlich auch schon.

Ich kann jedenfalls den Kilt nur empfehlen, er ist ein ganz besonderes Kleidungsstück und mal etwas Anderes, als immer nur Hosen.

Hans aus Wien am 15. August 2009